Der Kampf um unsere Rechte geht weiter!

Nachdem bei der Fandemo in Frankfurt im letzten Juni auch schon viele Fanszenen dabei waren geht es auf dieser Ebene weiter: Am heutigen Spieltag werden sämtliche Fankurven der Bundesliga gemeinsam aufstehen und für unsere Fankultur sprechen. Im Mittelpunkt steht heute eine "Ombudsstelle", die in Folge zur Fandemo ins Gespräch kam. Zur genaueren Erläuterung siehe auch den nachfolgenden Text, kurz beschrieben wäre die Einrichtung dieser Ombudsstelle ein großer Schritt im Kampf gegen willkürliche und ungerechtfertigte Stadionverbote. Wir als Bayernfans sollten dazu unseren Teil beitragen! Um auf unser Anliegen aufmerksam zu machen, wird die ersten 15 Minuten des Spieles heute geschwiegen. Dies wird auch in allen anderen Bundesligastadien so sein.Auch von der Mainzer Ultraszene erklärte man sich bereit, diesen Protest mitzutragen.

Dieser 15-minütige Boykott richtet sich weder gegen den FC Bayern noch gegen unsere Mannschaft sondern geschieht im Rahmen einer bundesweiten Aktion und im Interesse von uns allen, die wir in der Kurve stehen!

Jetzt ist die Zeit, um für Gerechtigkeit in diesem Bereich einzutreten!

Im Folgenden genaueres über unser Anliegen:

Die Ombudsstelle

Ein ombud (altnorwegisch: Vollmacht) ist die Aufgabe einer Person, in einer Organisation oder in der Öffentlichkeit bei bestimmten Themen eine ungerechte Behandlung von Personengruppen zu verhindern. In dieser Bedeutung ist beim Ausüben eines solchen Amtes zwar eine unparteiische Vorgehensweise bei Streitfragen zu verstehen, aber unter Berücksichtigung der Interessen von Personen, deren Belange als Gruppe infolge eines fehlenden Sprachrohrs ansonsten wenig Beachtung finden würden (Quelle: wikipedia.de).

15. Juni 2005: 2000 Fußballfans von Vereinen der 1. - 4. Liga gehen in Frankfurt unter dem Motto "Fußballfans im Abseits" auf die Straße und demonstrieren gegen Polizeiwillkür und Repression.

Die Demo in Frankfurt wurde zu einem vollen Erfolg. Trotz des ungünstigen Termins und der recht kurzen Vorbereitungszeit hatten sich viele auf den - teilweise weiten - Weg gemacht, um gemeinsam auf die Missstände des Ligaalltags hinzuweisen. Die Presseresonanz war positiv und die signalisierte Gesprächsbereitschaft durch den Innenminister persönlich übertraf sogar unsere Erwartungen.

23. Juni 2005: Nach Einladung des damaligen Innenministers Otto Schily treffen sich Fanvertreter, Vertreter der KOS, des WM-OK und der Polizei zum Gespräch. Von Schily wird die Einrichtung einer Ombudsstelle vorgeschlagen, welche bei strittigen Situationen zwischen Fußballfans und Polizei/DFB vermitteln soll.
Herrlich, endlich soll es eine Stelle geben, die den, ansonsten wenig beachteten, Fußballfans bei Streitfragen unparteiisch zur Seite steht. Endlich ein Gremium, an das man sich wenden kann, wenn eine Auswärtsfahrt mal wieder in einem völligen Desaster geendet ist und keiner einem zuhören will.

11. August 2005: Das Bundesministerium des Inneren (BMI) setzt die Fanvertreter mit einem persönlichen Schreiben darüber in Kenntnis, dass nun auch Theo Zwanziger vom DFB über die Pläne zur Ombudsstelle informiert wurde und zu einem Treffen im September einladen möchte. Des Weiteren legt das BMI Wert darauf, den Austausch mit den Fanvertretern zu intensivieren. Okay, knapp zwei Monate sind eine lange Zeit für so einen Brief, aber Gut Ding will schließlich Weile haben und so eine Ombudsstelle muss ja auch geplant werden. Böse Zungen munkeln übrigens, dass der DFB nicht gerade begeistert von der Idee zur Ombudsstelle war und das nicht nur, weil der Minister den DFB zum ersten Treffen gar nicht erst eingeladen hatte...

2. September 2005: Ein Mitarbeiter des BMI teilt mit, den Auftrag zur Konzeptionierung der Ombudsstelle erhalten zu haben und kündigt an, das weitergehende Informationen in den nächsten Tagen folgen werden. Außerdem würde der DFB auf die Fanvertreter zukommen, um die erforderlichen Vorbereitungen zur Einrichtung der Ombudsstelle zu treffen.
In eben diesem Schreiben hieß es übrigens auch, das erklärte Ziel des Ministers sei es, die Ombudsstelle noch in diesem Jahr einzurichten. Dass der gute Herr Schily eigentlich auch "geplant" hatte, seinen Job als Innenminister zu behalten, muss nicht extra erwähnt werden, oder?

Obgleich der angekündigte Einsatz des DFB nach einem Zugeständnis an die geplagten Fanszenen aussah, wurden wir doch recht schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Wieder mal meldeten sich die ominösen "bösen Zungen" zu Wort, die gehört haben wollten, dass die Ombudsstelle scheinbar beim DFB ihre Heimat finden soll. Das hätte natürlich bedeutet, dass der Traum von einer unabhängigen Ombudsstelle endgültig geplatzt wäre. Die ewigen Optimisten unter uns wollten dieses Gerücht nicht glauben, wurden allerdings kurz darauf eines Besseren belehrt. Obwohl wir vorsorglich DFB und BMI darauf hinwiesen, dass eine solche Stelle bei einem unabhängigen Träger angesiedelt werden muss, fand unsere Meinung keinerlei Berücksichtigung.

8. September 2005: In einer Pressemitteilung des BMI heißt es, dass Dr. Theo Zwanziger und Otto Schily sich darauf geeinigt haben, die Ombudsstelle beim WM-OK einzurichten. Des Weiteren solle den Beteiligten in den nächsten Tagen der Vorschlag zur personellen Besetzung der Stelle bekannt gegeben werden. Bereits in den kommenden Wochen solle es einen, vom DFB geplanten, Fankongress geben, im Zuge dessen die Überlegungen konkretisiert werden sollen.

Faszinierend! Eine kleine Pressemitteilung und schon stellen sich Fragen über Fragen. Was soll die Ombudsstelle beim WM-OK? Will uns der DFB etwa nur bis zum Ende der WM ruhig stellen? Sind die Fanvertreter nicht mehr an der ganzen Sache beteiligt? Und wer wurde als personelle Besetzung vorgeschlagen? Hat der Fankongress schon stattgefunden? Falls ja: Warum wurden wir nicht eingeladen?

25. Oktober 2005: In einer Pressemitteilung des DFB heißt es, der DFB habe mit Fanvertretern geeignete Initiativen besprochen, die das Verhältnis zwischen DFB und Fans verbessern sollen. DFB und DFL seien bestrebt eine Fan-Anlaufstelle mit Servicefunktion einzurichten. Des Weiteren hieß es, dass eine Ombudsstelle sinnvoll sein könne. Aufgabenstellung und Befugnisse der Ombudsstelle müssten in Umsetzungsgesprächen zwischen BMI, DFB und WM-OK präzisiert werden.

Wow-wow-wow, langsam, was geht denn hier ab? War das jetzt der sagenumwobene Fankongress und man hat einfach vergessen uns einzuladen? Es ist ja schön, dass der DFB KOS, Fanprojekte, BAG und Fanbetreuer zu Gesprächen einlädt, aber was ist mit uns? Und warum wird nicht mal die KOS an den Umsetzungsgesprächen zur Ombudsstelle beteiligt, dafür aber das völlig deplazierte WM-OK? Wir sind diejenigen, die in Frankfurt auf die Straße gegangen sind. Wir waren es, die von Schily zum Gespräch gebeten wurden. Wir waren diejenigen, denen gegenüber mehrfach betont wurde, dass man den Kontakt intensivieren wolle. Wir waren es, die stets um kontinuierlichen Austausch mit BMI und DFB bemüht waren; unsere E-Mails blieben allerdings meist unbeantwortet. Wir sind diejenigen, die am Besten über unsere eigenen Probleme im Fußballalltag berichten können. Und wir sind diejenigen, die an der Einrichtung einer solchen Stelle mitarbeiten sollten.

Fakt ist, dass wir seit der Pressemitteilung im September keinen Pieps mehr aus dem BMI gehört haben. Davon, dass DFB, WM-OK und BMI die konkrete Planung zur Einrichtung einer Ombudsstelle aufgenommen haben, haben wir auch nichts mitbekommen. So wie die Kreuzritter nach ihrem heiligen Gral, sind wir weiter auf der Suche nach der Ombudsstelle - wünscht uns Glück!

Wir fordern:

Was:

  • Eine Ombudsstelle oder eine vergleichbare Instanz, die sich unseren Problemen dauerhaft annimmt.
  • Sowohl Einzelpersonen, die von willkürlichen Stadionverboten oder ungerechtfertigten Einträgen in die Datei Gewalttäter Sport betroffen sind, als auch ganze Gruppen, die staatlicher Repression ausgesetzt sind, müssen die Möglichkeit haben, sich an diese Instanz wenden zu können.

Wie

  • Die Arbeitsweise der Instanz muss so unbürokratisch wie möglich sein - komplizierte Anträge oder langwierige Entscheidungsverfahren sind hier völlig unangebracht.
  • Empfehlungen der Instanz sollten sowohl von Seiten der Fans als auch von DFB und Polizei angenommen werden. - Betroffene Personen müssen über die Informationen, die von der Instanz im Prozess zur Entscheidungsfindung eingeholt werden, in Kenntnis gesetzt werden.
  • Die Instanz muss kontinuierlich arbeiten, daher ist eine gesicherte Finanzierung Grundvoraussetzung.

Wo:

  • Ansiedlung der Instanz bei einem unabhängigen Träger. Die Instanz darf weder unter der Obhut des DFB noch der Polizei sein.

Wann:

  • Einrichtung der angedachten Instanz bis zum Ende Winterpause.
  • Die Instanz muss als ständiges Organ in den Ligaalltag eingebunden werden.

SCHICKERIA MÜNCHEN – CLUB NR.12 – RED UNITED